Uganda Reise

3. Reisebericht 2018

Reisebericht zu unserem Uganda-Projekt vom Januar 2018

Vorne weg: unser Musterhaus in Moroto ist fertig eingedeckt.
Um 7 Uhr startete unser Flugzeug in Hamburg nach Brüssel. Nach zweieinhalb Stunden Aufenthalt startete unser Flieger nach Entebbe, wo wir nach einer Zwischenlandung in Kigali um 22.50 Uhr landeten. Wir haben es uns bereits angewöhnt, nach diesem langen Flug uns in Afrika einzugewöhnen. So wurden wir wieder von Rainer`s Fahrer abgeholt und zum Ressort „The Haven“ in der Nähe von Jinja gefahren, wo wir um 2 Uhr in der Frühe eintrafen.

Traumhaft schön gelegen mit Blick auf den hier gut 1 km breiten weißen Nil. Sein Ressort mit mehreren Lodges und zum Teil reetgedeckten Bungalows liegt am westlichem Ufer einige Meter erhöht. Rainer hat eine eigene Stromversorgung.

Das Ressort ist nach deutschem Muster erbaut. Alles sehr sauber und gepflegt, auch mit Swimming-Pool. Bei hervorragendem Sommerwetter genossen wir diesen einen Tag richtigen Urlaubs.

Mit einem geliehenen Auto von Rainer fuhren wir dann über Mbale und Soroti nach Moroto. Die Straße von Soroti nach Moroto war in einem äußerst schlechtem Zustand. Diese Straße wird zur Zeit von den Chinesen gebaut. Auch daher sind Straßenteile hier äußerst schlecht befahrbar. Außerdem mussten wir auch eine Reifenpanne bewältigen.

So trafen wir erst um 20 Uhr in unserem Hotel, dem Mount Moroto Hotel, ein. Ein sauberes Hotel, eines der besten Anlagen in Moroto. Das Frühstück bestand jeden Morgen aus Toastbrot, Butter, Marmelade, entweder gekochtes Ei oder Rührei oder Omelett, dazu Kaffee, Tee oder Milch, sowie Bananen und ab und zu Ananas, kein Käse oder Wurst.

Unser Musterobjekt stand noch. Es war am Dach nichts weiter gemacht. Lediglich ein kleiner Anbau links war erstellt. Mit Martin, Bosco`s Vater, bin ich dann los gefahren, um Holz zu beschaffen. In dieser Zeit haben Reimer und Sven die Blechplatten abgenommen, auch an den Stirnseiten. Auch hatten wir diesmal eine Alu Klappleiter und vier Deckerstühle mitgebracht.

Mit auf diesen Fotos ist Martin, der mir aufgrund seiner Kenntnisse auch jederzeit gerne ein guter Berater und Helfer war, um mit den Händlern zu feilschen.

Zuerst mussten wir uns ein Gerüst bauen. (eine Bau-BG gibt es hier „noch“ nicht)

…und es hat uns gut getragen.

Dann begannen wir mit dem Aufbau: eine Fußfette wurde aufgebaut, damit das Mauerwerk nicht alles tragen muß. Immer auch hatten wir Beobachter um uns, die aber nie aufdringlich waren.

Die ersten Sparren wurden gesetzt und auf einer Mittelfette im Fußpunkt beidseitig abgestützt.

Auch ein Windrispenband und Knaggen wurden eingebaut. Jetzt war unser Holz fast aufgebraucht. Auf dem Weg zum Hotel hielten wir bei dem Holzhändler an und bestellten weiteres Holz. Er wollte sich um alles kümmern und gegen 11 Uhr anliefern lassen.

Um 11 Uhr war noch nichts da. So fuhr ich hin, aber der Holzhändler war nicht da. Seine Tel.-Nr. hatte ich mit notiert, so rief ich ihn an. Er hatte es nicht geschafft und könne erst am nächsten Tag liefern, dann aber zuverlässig. Das hielt er dann auch ein. Martin meinte, damit muss man hier immer mal rechnen.

Ähnliches geschah mit dem Reet, das nicht rankam. Ich telefonierte dann mit Bosco in Deutschland. Bosco konnte ja nicht mit kommen, weil er zur Berufsschule nach Lübeck musste. Bosco konnte mir eine neue Tel-Nr. von Alfred geben. Das war ein Bekannter, der auch Reet bzw. Afrikagras besorgen konnte. Das klappte auch, leider erst zwei Tage später. Somit war die zu späte Holzlieferung kein Problem mehr. Wir latteten alles ein und erstellten auch die Kniep inkl. vorhandene, alte Blechtafeln an den Giebelseiten. Auch ein Kniepbrett wurde angesetzt. (die andere Seite Blechtafeln haben wir nicht angebracht, wie aus unserem Reisebericht 2 zu erlesen ist).

Jetzt war alles fertig und wir warteten einen Tag auf das Reet.

Dann kam der LKW. Das Afrikagras musste per Hand abgeladen werden. Wir hatten bereits alles vorbereitet. Zwischenzeitlich auch mit Alfred telefoniert. 

Martin hatte bereits einige Ugander aufgerufen, mitzuhelfen und das Gras auch nach unseren Wünschen hin zu säubern, evtl. nach zu trocknen, aufzubinden und uns zum Dach zu bringen.

Wir wiesen unsere zahlreichen Helfer und Helferinnen noch kurz ein, und dann…….

….konnten wir fast zeitgleich mit der Eindeckung beginnen.

Am nächsten Morgen kam die 2. LKW-Ladung und abends die letzte Ladung. Reet und auch Helfer waren nun reichlich vorhanden.

Anders als bei unserem 1. Besuch 2016 (siehe Reisebericht 1 ► ) wurde diesmal alles, was aussortiert wurde, weiter verbraucht.

Aus dem aussortiertem Gras wurden weitere Grasbunde zusammen gestellt und von den Frauen und Kindern abtransportiert. Der letzte Rest war für die Rinder bestimmt. Die Graslieferung war diesesmal sehr gut. Wir konnten sehr gut sortieren und aussortieren.

Und für die anderen war auch noch genug übrig.

Dieses Material wurde gerne genommen. Kann man auch verstehen, wenn man sieht, was andere Frauen als „Gras bzw. Reetbunde“ nach Hause bringen:

Ja, es machte auch Spaß, zu sehen, wie alles lief. Allerdings hing uns der Regen ein bißchen über den Köpfen.

So wurde das noch nicht gesäuberte Reet vorsorglich in die Lagerhalle verfrachtet.

Wir konnten derweil unser Dach weiter eindecken.

Der Abschluß wurde als Reetfirst, auch Kapp- oder Spitzfirst genannt, erstellt.

Unser Mittagessen bestand regelmäßig aus Bananen, nichts als Bananen. Bei diesen Temperaturen war uns nicht nach warmem Essen. Mein Bruder Reimer Ohm (links) und Sven Eiberg (rechts). Getrunken wurde tagsüber ausschließlich Wasser aus geschlossenen Flaschen.

Warmes Essen gab es abends für uns im Mount Moroto Hotel. Das Essen á la carte war immer reichlich und schmeckte sehr gut.

Jetzt ist unser Musterdach fertig. Alles andere ist weggeräumt.

Bosco ist im 2. Ausbildungsjahr. Mitte nächsten Jahres wird er die Gesellenprüfung machen. Nach unseren Beobachtungen wird er dieses Ziel auch erreichen. Bosco ist zielstrebig, fleißig und ehrgeizig. Dabei jederzeit gut um sich zu haben, stets höflich und zuvorkommend, zuverlässig und pünktlich, nie aufdringlich oder besserwisserisch.

Bosco heute

Wenn Bosco nach Moroto zurück kehrt, dann hat er ein Musterdach, eine Lagerhalle, wo jetzt bereits etwa 500 Bund Afrikagras lagert und er hat Deckergeschirr, welches wir aus Deutschland mit brachten. 4 Alu-Deckerstühle, eine Alu-Klappleiter.

Ein Klopfbrett, drei Stecker, Zimmermannshammer, Handsägen, Nähnadel, 5 Spanngurte groß, 2 Spanngurte klein, Bindematerial.

Noch sieht es in Moroto wie auf den folgenden Fotos aus. Aber die Infrastuktur geht auch hier voran.

Auch die Gesundheitsvorsorge wird von Uganda voran getrieben. Das von den Iren erbaute Krankenhaus floriert seit dem letztem Jahr.

Die meisten Europäer würden hier nichts mehr essen, wenn sie sehen, wie das Fleisch stundenlang der Sonne ausgesetzt ist.

Das ist der Ortseingang von Moroto.

Zurück geht es nach getaner Arbeit nach Jinja, wo wir noch etwas relaxen wollen, bevor es auf die Heimreise geht. Eine fast unwegsame Straße wurde zum Teil eingeebnet und begradigt.

Ein Hauptverkehrsmittel ist das Moped. Nicht selten sitzen hier drei, vereinzelt sogar vier Personen auf einem Moped.

Auf Fahrrädern wird ebenfalls ein großer Teil Waren transportiert.

Immer wieder fahren wir an Hüttendörfern vorbei. An den Straßen werden Afrikagrasbunde zum Verkauf angeboten.

Eine Frau bindet ihr Kleinkind auf ihrem Rücken fest. Auf dem Kopf wird sie die auf der Erde stehenden Waren transportieren.

Der Staub wäre für uns ein Problem.

So sieht es in den „besseren“ Ortschaften aus. Man sieht sofort, hier gibt es mehr Arbeit, die Menschen sind etwas besser angezogen und es gibt mehr Geschäfte.

Wir sind froh, dass wir ein Ziel unseres Uganda-Projektes, ein Musterdach erstellen, geschafft haben.

Im Ressort von Rainer, dem „The Haven“ lassen wir es uns noch einmal richtig gut gehen. Auch das Essen ist hier fantastisch. Jeden Tag gibt es eine Auswahl von drei Gerichten, dazu eine Vorsuppe und eine Nachspeise.

So war unser reichhaltiges Frühstück. Kaffee oder Tee, ein Glas O-Saft, ein Obstteller mit dreierlei Früchten, leicht erwärmtes Weißbrot, Butter, Marmelade, Nutela, Wurst und Käse, gekochtes Ei oder Rührei oder Spiegelei, Pfannkuchen.

Das ist unser Domizil, Haus Nr. 10. Rechts ist die Terrasse mit Blick auf den weißen Nil

Hiermit enden erst einmal meine Reiseberichte. Für uns waren es neben der Arbeit und einem gewissen „Sprung ins kalte Wasser“ auch eine große Erfahrung, wie einfach sich das Leben gestalten läßt. Spätestens aber, wenn es zu Erkrankungen kommt, sehnt man sich in die Geborgenheit unserer Heimat.

Möge Bosco es schaffen, hier in seiner Heimat Ugandas etwas für sich und auch für seine Landsleute mit aufzubauen. Wir werden ihm auch weiter zur Seite stehen.

Hans-Hermann Ohm