Informationen

Unser Uganda-Projekt

Hans-Hermann Ohm, Mühlenstr. 6, 25764 Norddeich, Tel: 0 48 33 - 4 28 80

In den letzten 10 Monaten hat sich viel getan. Fest steht, das Projekt ist angelaufen, wenn auch anders wie gedacht. Auch heute, wo ich dieses schreibe, bin ich überzeugt, das richtige zu tun. Wir haben Bosco mittlerweile näher kennen gelernt. Er ist ein sehr angenehmer und ruhiger junger Mann. Er ist sich für nichts zu schade, hilft wo er kann und ist auch handwerklich geschickt.

Auch meine neuerliche Reise nach Moroto hat mich bestärkt, daß dort Hilfe gebraucht und auch gerne angenommen wird.

Wenn diese Bürokratie in Deutschland nicht wäre. Kein Beamter oder Angestellter im öffentlichem Dienst ist bereit, nach links oder rechts über seinen Schreibtischrand hinweg zu sehen. Es könnte ja sein, daß er dafür von seinem Vorgesetzten Schelte bekommt. Dieser Eindruck ist bei mir in den letzten Monaten entstanden.

Seit 1985 bin ich im Boßelsport aktiv in verschiedenen Vorstandsposten tätig. Nicht zuletzt seit 2005 als Jugendwart der schleswig-holsteinischen Boßler. In der Reetdach-Innung Schleswig-Holsteins bin ich seit 1997 im Vorstand tätig, seit 2006 als deren Obermeister. Ich weiß somit um die Probleme, neue Ehrenamtler zu gewinnen. Aber das, was ich in den letzten Monaten von Seiten der Behörden als Hilfen entgegen nehmen durfte, war gleich null. Finanziell schon mal gar nichts. Nach meinen letzten Erfahrungen muss ich sogar zugeben, solch ein Projekt würde ich nicht noch einmal beginnen. Ich kann es einfacher haben, mein Gewissen zu erleichtern, z.B. indem ich an irgendwelche gemeinnützigen Vereine Geld spende….

Was war in Uganda mit den drei Jungen geschehen: Geld für die drei Jungen, um nach Kampala zum Goethe-Institut zu gehen, um dort Deutsch zu lernen, war nicht vorhanden. Ich habe versucht, über „Fernkurse“ den dreien deutsch zu lehren. Mit dem Mt. Moroto Hotel hatte ich gesprochen, die waren bereit, meine Zettel auszudrucken, die drei Jungen holten sich die Zettel ab, füllten diese aus und dann schickte das Hotel mir diese zurück. Während dieser Zeit wurden die Antworten von Abraham und Ben immer spärlicher, sie brachen ab. So blieb nur Bosco übrig.

Nach Rücksprachen mit der Handwerkskammer, mit meiner Innung und Landesinnung, der Dachdeckerschule in Lübeck und der Kreishandwerkerschaft waren alle Ampeln auf grün gestellt. Der Ausbildungsvertrag wurde ausgefüllt und per Post nach Moroto geschickt. Leider kam er bis heute nicht an. So faxte ich diesen nach drei Wochen noch einmal und erhielt diesen von Bosco unterschrieben auch kurzfristig zurück. Nach der Kennzeichnung der Handwerkskammer war der Vertrag besiegelt. Lehrbeginn am 01. August 2016.

In der letzten Juliwoche fuhr Bosco nach Kampala, um dort bei der Botschaft alles zu regeln. Seine Sachen hatte er alle vollzählig dabei. Jetzt kam es zur ersten Verzögerung: Die Botschaft wollte eine Bestätigung der Agentur für Arbeit. Ich rief die 0800…Nr. an. Dort wurde mir mitgeteilt, daß ich im Internet auf Seite so und so das Formular antippen kann. Einmal eine Information zum Einreisewilligen (Bosco) und zum anderen eine Darstellung meines Betriebes. Beide möge ich ausfüllen und die Originale !! hinschicken. Zu weiterem war die Dame am anderem Ende nicht bereit. Auch nicht, weil Bosco ja bereits in einer Woche hier sein sollte und der bei der VHS einen Deutschkurs belegen sollte. So schickte ich dieses am gleichem Tag ab.

Nach 14 Tagen ohne Rückmeldung rief ich wieder die 0800..Nr. an. Man habe so viel zu tun, es gebe so viele Anträge, ich müsse mich gedulden. Nach einer weiteren Woche fuhr ich nach Heide. Nachdem ich 90 Minuten in der Warteschlange gewartet habe, kam ich an einen Sachberarbeiter für Unternehmer, der sich wirklich gekümmert hat. Er hörte sich alles an, versprach zwar nichts, rief aber drei Stunden später an, er habe den zuständigen Sachbearbeiter erreicht. Meine Akte wird ganz kurzfristig bearbeitet. Danach ging es auch schnell. Danach durfte ich dann „einen Antrag zur Arbeitsmarktzulassung“ stellen. Was ich dann auch tat. Am 29.08. !! erhielt ich diese.

Dann verlangte die deutsche Botschaft 191 € für eine Krankenversicherung. Mein Einwand, wenn Bosco hier wäre, sei er automatisch versichert, sei nicht ausreichend. Erst ein Schreiben der Krankenkasse konnte dieses ausräumen. Dieses Schreiben erhielt ich aber auch erst, nachdem ich mit einem Vorgesetzten telefoniert habe.

Jetzt brauchte ich noch ein Flugticket für Bosco. Schnell nach Meldorf ins Reisebüro, 1.290 € hingeblättert und Bosco die Flugdaten per Whatsapp rübergeschickt. Am 03. September kam er abends in Hamburg an.
Bosco wohnt in meinem Haus. Von seinem Ausbildungsgehalt kann er sich keine eigene Unterkunft und Verpflegung leisten. Auch ein Fahrrad haben wir ihm zur Verfügung gestellt. Für seinen Deutschunterricht habe ich eine seit einem Jahr pensionierte Lehrerin gewinnen können. Mindestens zweimal in der Woche bekommt Bosco Unterricht. Dafür hole ich ihn gegen 13 Uhr von der Baustelle ab, bringe ich nach Hause wo er sich duschen, umziehen und was essen kann. Dann fährt er die 2 km mit dem Fahrrad zum Unterricht.

 

Zuschüsse:

Am 26.10.2016 erhielten wir einen Innovationspreis wegen unseres Uganda-Projekts. Der Bürgermeister unseres Ortes machte mich drauf aufmerksam. Alle zwei Jahre wird von der Industrie- und Handelskammer in Zusammenarbeit mit dem Kreis Dithmarschen der Innovationspreis „Plietsche Lüüd“ ausgeschrieben. Auch aus den Händen vom Schirmherrn Wirtschaftsminister Reinhard Meyer konnte dieser mit 1.000,00 € dotierte Preis entgegen genommen werden. Das war es aber auch.

Weder von der Kirche weltweit, noch vom Land Schleswig-Holstein, noch von der Bundesregierung, noch von der GIZ (Gesellschaft für internationale Zusammenarbeit) konnten bisher Zuschüsse eingeworben werden.

Vom Land Schleswig-Holstein wurden wir an einen Herren von der Agentur für Arbeit verwiesen. Aber keine Zuschussmöglichkeiten.

Von der Bundesregierung wurde ich an die Agentur für Wirtschaft und Entwicklung weiter vermittelt. Diese verwiesen mich an die baugewerblichen Verbände, wo ich bitte ausloten könne, wo es Schnittstellen gebe. Diese Schnittstellen werden sich aber erst ergeben können, wenn in Moroto in Uganda eine Handwerkerschule entsteht. Dann könne ich dort zu Seminare eingeladen werden und diese abhalten. In dem Moment würden meine Kosten zu dieser Reise übernommen werden. Ich habe aber einen eigenen Betrieb mit 14 Mitarbeitern. Ich kann im Januar weg, nicht im Sommer oder gar Herbst.

Somit bleibt es bisher dabei: alle Kosten tragen meine Frau und ich privat.

Zur Zeit erwägt die EU in Libyen ein Auffanglager für Flüchtlinge aus Afrika aufzubauen. Dort sollen die Flüchtlinge dann unterrichtet und wieder in ihre Heimatländer zurück gebracht werden. Das gleiche mache ich auch bereits aktiv !!


Gez.: Hans-Hermann Ohm