Uganda Reise

2. Reisebericht 2017

Reisebericht zu unserem Uganda-Projekt vom 16. Januar bis 02. Februar 2017

Im März bis April 2016 waren Rita und ich in Uganda, um die drei Interessenten kennen zu lernen, die in Schleswig-Holstein eine Ausbildung zum Dachdecker/Reetdachdecker machen wollen.

Von diesen drei Jungen ist nur Bosco übrig geblieben, die anderen beiden sind zwischenzeitlich abgesprungen und gar nicht erst nach Deutschland gekommen.

Bosco absolviert seit dem 03. September seine Lehre. Er ist absolut umgänglich, freundlich, hilfsbereit und wißbegierig. Die größten Probleme habe ich mit den deutschen Behörden, wozu ich einen separaten Bericht schreibe.
Zu den Informationen darüber ►

Zu meinem Plan gehört, daß wir in Moroto ein oder zwei Musterdächer erstellen wollen, damit die dortigen Bewohner einen Unterschied zu ihren bisherigen Wohnungen erkennen können.

Deshalb sind Reimer, Sven und ich runter geflogen und haben nur einen ganz kleinen Teil Handwerkszeug mit genommen.

Wir sind um 7.10 Uhr in Hamburg gestartet, über Brüssel nach Entebbe geflogen und dort um 20.55 Uhr gelandet. Wie im vergangenem Jahr haben wir wieder im Resort von Rainer Holst, dem „The Haven“ in der Nähe von Jinja einen Zwischenstop eingelegt und uns von seinem Fahrer Noldin abholen lassen. Nach diesem langen Flug ist ein bißchen Entspannung sehr gut.

Ein traumhaft schön gelegenes Resort am weißen Nil, teilweise reetgedeckte Bugalows mit hervorragendem Essen und sehr gutem Personal. 

Am 18. starteten wir morgens mit einem Auto (Noah mit 4-Radantrieb), das Rainer uns besorgt hat.  
Das war noch eine bessere Straße… 

So kann sie auch aussehen...

Abends gegen 21 Uhr kamen wir im „Mt. Moroto“ Hotel an.

Am nächsten Morgen standen wir vor „unserem“ Bauvorhaben, in dem zwei ältere Frauen wohnen: Luisas Mutter und Tante. Dieses Gebäude soll ein Reetdach erhalten. Ursprünglich war die Terrasse nicht mit geplant, weshalb Luisa zusätzliches Reet ordern sollte, was aber nicht geschehen war. 

Auch die Zimmererarbeiten waren nicht gemacht worden. Für eine Eindeckung mit Reet ist das Dach zu flach. Gerüste haben wir dort auch nicht. Also haben wir erst mal Holzmaterial besorgt. 

In unserer Lagerhalle lag das Afrikagras zur Bearbeitung bereit. Die Wände waren mit Bambushölzern versehen und dann mit Lehm bestrichen worden. Somit war das Gebäude erst mal gesichert. 

Reimer und Sven begutachten unsere Lagerware.

Plan: wie steil SOLLTE das Dach mindestens werden, aber wie hoch KÖNNEN wir ohne Gerüste bauen? 

Zunächst haben wir uns aus dem Restmaterial vom letztem Jahr eine Leiter gebaut. 

Mit unserem mitgebrachten Fuchsschwanz (keine Kettensäge o.ä.) sägten wir die gekauften und angelieferten Hölzer zu. 

Dann stellten wir Stützen auf den Betonsockel auf und befestigten eine Fußfette, die wir an das Hauptdach fixierten. Die Blechplatten hatten wir vorher abgeschraubt. Zum Feierabend kam Wind auf (ca. 5 bis 6). Deshalb beschwerten wir die losen Blechtafeln mit Latten und Spanngurten. 

Am nächsten Tag entfernten wir die Blechtafeln, nachdem die beiden Bewohnerinnen ausquartiert worden waren und bauten uns ein Behelfsgerüst aus Latten. Das wurde gleichzeitig unser Gerüst. Dann erstellten wir eine Firstfette. Mittlerweile kam Mario aus Moroto hinzu und half uns. 

Es wurden zwei weitere Fetten eingezogen und verankert. Leider ist das Holz vor Ort sehr krumm und schief, auch nicht maßhaltig. Doch das ist dort so, erläuterte uns Martin, Boscos Vater. 

Weitere kleine Leitern bauten wir uns, um „Gerüste“ zu bauen. Die Auflagen bildeten die Hölzer, die wir gekauft haben. Natürlich war uns klar, dass besondere Vorsicht geboten war. Und es klappte auch alles ohne besondere Vorkommnisse. 

Dann begannen wir mit dem Auflatten. Leider kamen wir mit unserem Holz zu kurz. Die neue Lieferung sollte um 13 Uhr erfolgen. Auch nach zweimaligem Nachfragen (durch hinfahren) kam die Ware erst um 16.30 Uhr. Deshalb begannen wir zwischenzeitlich mit dem Eindecken, sehr zur Freude von Sven.

Am nächsten Tag wurde weiter aufgelattet, danach weiter eingedeckt. Kinder trugen uns mit Freude das Reet heran.

Wir hatten uns alte Spanngurte mitgenommen. Die konnten wir gut verwenden, um die Laufbohlen zu halten.

Natürlich wurden wir permanent von den dort lebenden Menschen beobachtet, sie stellten Fragen und bestaunten die Arbeiten.

Die Befestigung erfolgt mit Hanfband durch Nähen mit Gegennäher.

Wir stellen fest, daß wir mit unserem Reet nicht auskommen. Somit werden wir am nächsten Tag nachordern müssen.

Zusammen mit Martin und John fahre ich zu einem Reetlager.

Auch einen LKW mit Beladern haben wir geordert. Das größte Problem sind nicht die Materialien, sondern die Straßen. Für diese 70 km zum Reetlager benötigen wir fast 4,5 Stunden einfache Fahrt.

Das Interesse an unseren Arbeiten ist teilweise sehr groß. Einige packen zwischendurch auf mit an, werfen Reet hoch…

…oder steigen mal mit aufs Dach, um dort Reet abzunehmen.

Das neue Reet musste noch gesäubert werden. Das haben drei junge Männer gemacht.

Bei diesen Arbeiten trafen wir auch Abraham wieder, der im letzten Jahr noch an einer Ausbildung zum Dachdecker interessiert war. Aber einerseits wegen der für ihn schwierigen Deutschaufgaben, die ich den Jungen gestellt hatte und andererseits, weil er sich zwischenzeitlich mit Elektronik befaßt, hat er es sich anders überlegt.

Jetzt konnten wir die Eindeckung fertig stellen. Die Rückseite wurde mit den vorhandenen Blechtafeln geschlossen.

Die Seitenteile wurden absprachegemäß von Mario mit Blechen geschlossen, weil wir am übernächsten Tag schon wieder zurück fahren würden.

Das Dach musste noch abgeputzt werden und alles gesäubert werden.

Im kommenden Jahr soll die Rückseite eingedeckt werden.

So werden die besseren Dächer gedeckt. Das Reet ist wenigstens vorgereinigt.

Am 31. sind wir mit unserem Auto zurück gefahren. Ca. 400 km und dafür brauchten wir wieder 9,5 Std. Die Straßen sind zum großen Teil Schotterpisten.

Vereinzelt kleine Hüttengruppen….

…oder einzelne Hütten bereicherten die langen Fahrtwege.

Die letzten 50 bis 60 km fuhren wir in wolkenbruchartigem Regen nach Jinja zum Resort „The Haven“. Abends gegen 18 Uhr kamen wir dort an.

Am nächsten Tag haben wir eine Flußfahrt auf dem weißen Nil unternommen.

Auch im Pool haben wir es uns gut gehen lassen.

Am darauf folgendem Tag wurden wir von Noldin wieder nach Entebbe zum Flugplatz gefahren. Dabei kamen wir an dem folgendem Gebäude vorbei und bestaunten das Gerüst.

In und um den Metropolen Ugandas: Kampala, Entebbe und Jinja ist sehr viel im Umbruch. Aber auch im entferntem Moroto ist alleine in den letzten 10 Monaten viel gemacht worden: Straßenzüge sind weitergebaut oder fertig gestellt worden. Das Krankenhaus wurde von den Iren fertig gestellt. Drei Hotels sind entstanden, ein viertes, das „Afrikana“ Hotel wird gerade gebaut. Ein kleiner Flugplatz für Sportflugzeuge ist fertig und und und.

Die Leute, mit denen wir in Moroto zu tun hatten, sind aufmerksam, hilfsbereit und jederzeit zuvorkommend. Ich bin auch davon überzeugt, gerade in diesen Gebieten mit diesen langanhaltenden warmen Tagen gibt es keine bessere Bedachung, als mit Reet oder Afrikagras

Dieses Material ist reichlich dort vorhanden. Auch Menpower ist reichlich vorhanden. Es fehlt nur an einer umsichtigen Umgehensweise mit diesem robusten Material.

Eine Handwerkerschule in Moroto gibt es noch nicht. Es wäre aber mittelfristig möglich, dort eine Schule mit aufzubauen. Die GIZ und Irish Aid sind dort sehr aktiv und arbeiten auch zusammen.
Ich werde versuchen, in den nächsten Monaten diese Kontakte auszubauen. Wenn es uns möglich ist und wir nächstes Jahr wieder runter fliegen, um die andere Seite aufzubauen, dann werden wir sicherlich auch diese Kontakte vertiefen können.

Hans-Hermann Ohm